Kaum eine Region Österreichs vereint auf so engem Raum so viele Postkartenmotive wie das Salzkammergut: 76 Seen zwischen Salzburg und der Steiermark, die Gletscherwelt des Dachsteins, 7.000 Jahre Salzgeschichte und ein Kaiser, der hier 82 Sommer verbrachte. Und dann ist da Hallstatt, das berühmteste Dorf der Alpen – so berühmt, dass an einem Sommertag bis zu 10.000 Tagesgäste auf 750 Einwohner treffen. Das eigentliche Salzkammergut beginnt allerdings dort, wo die Reisebusse wenden.
Dieser Guide zeigt beides: Hallstatt so, dass es sich noch lohnt, und die stillere Nachbarschaft von Obertraun über den Gosausee bis nach Bad Ischl, an den Wolfgangsee und den Traunsee. Dazu kommen eine Tabelle der besten Übernachtungsorte, alles zur Anreise mit Bahn, Bus und Schiff sowie eine ehrliche Einschätzung zu Saison und Budget. Einen Überblick über die Unterkünfte im Ort finden Sie auf unserer Seite zu Hallstatt.
Hallstatt: Marktplatz, Beinhaus und der Berg aus Salz
Der Ort klebt buchstäblich am Hang zwischen Hallstätter See und Salzberg: eine einzige Gasse, ein dreieckiger Marktplatz mit pastellfarbenen Häusern und die evangelische Kirche mit dem spitzen Turm, der jedes Foto dominiert. Seit 1997 ist die Kulturlandschaft Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut UNESCO-Welterbe – nicht wegen der Fassaden, sondern wegen einer Salzgeschichte, die bis in die Bronzezeit zurückreicht.
Marktplatz und Beinhaus
Beginnen Sie am Marktplatz und steigen Sie die Stiegen zur katholischen Pfarrkirche hinauf. Im Friedhof dahinter liegt die Michaelskapelle mit dem Beinhaus: Weil der Platz auf dem Felsvorsprung nicht reichte, wurden die Gräber ab dem 18. Jahrhundert nach etwa 15 Jahren geöffnet und die Schädel mit Namen, Datum und Blumenkränzen bemalt. Rund 1.200 Schädel sind erhalten, gut 600 davon bemalt; Eintritt ca. 2 €, geöffnet täglich von etwa 10 bis 17 Uhr. Von der Kirchenterrasse haben Sie zudem den besten Blick über die Dächer auf den See.
Salzwelten, Salzbergbahn und Skywalk „Welterbeblick"
Die Salzbergbahn startet am Südrand des Ortes (Lahn) und bringt Sie in drei Minuten auf 838 Meter. Oben ragt der Skywalk „Welterbeblick" zwölf Meter über den Fels und 360 Meter über den See. Eine halbe Stunde Fußweg weiter liegt der Eingang zu den Salzwelten, dem ältesten Salzbergwerk der Welt: Mit Bergmannskleidung, zwei Holzrutschen (die längere misst 64 Meter) und der Grubenbahn dauert die Führung rund 70 Minuten; Höhepunkt ist die über 3.000 Jahre alte Holzstiege aus der Bronzezeit. Das Kombiticket kostet ca. 40–45 €, die Saison läuft von Ende März bis Anfang Jänner. Buchen Sie das Zeitfenster online, im Sommer sind die Vormittage oft ausverkauft.
Der Blick von der Gosaumühle
Das Foto, das um die Welt ging, entsteht am Nordende des Ortes: Vom Parkplatz P1 gehen Sie durch die Seestraße nach Norden, bis die Gasse an der Straße Richtung Gosaumühle endet und sich der Blick zurück auf Kirchturm, Häuserzeile und See öffnet. Am schönsten ist er morgens, wenn die Sonne den Ort von Osten anstrahlt, oder an windstillen Abenden mit Spiegelung. Von hier führt der Soleweg in gut zwei Stunden weiter nach Bad Goisern.
Die Menschenmassen umgehen
Die Reisebusse aus Salzburg, Wien und München treffen zwischen 10 und 16 Uhr ein. Wer vor 9 Uhr im Ort ist oder erst nach 17 Uhr kommt, erlebt ein völlig anderes Hallstatt – dann gehören Marktplatz und Seepromenade wieder den Einheimischen, den Schwänen und den wenigen Gästen, die im Ort übernachten. Das ist der zweite Trick: Zwei Nächte in einer Pension im Ort oder in Obertraun verwandeln den Tagesausflug in einen echten Aufenthalt. Und drittens: Im Mai, Juni, Oktober oder an einem klaren Wintertag ist der Ort deutlich leerer als im Juli und August.
Alpengast-Tipp: Reisen Sie mit der Bahn an. Der Bahnhof Hallstatt liegt am gegenüberliegenden Ufer, und das Fährschiff „Stefanie" bringt Sie passend zu jedem Zug in etwa 15 Minuten zur Anlegestelle Hallstatt Markt (ca. 4 € pro Strecke). Die Ankunft vom Wasser aus ist die schönste, die der Ort zu bieten hat – und Sie sparen sich die Parkplatzsuche.
Obertraun und der Dachstein: 5fingers, Eishöhle, Mammuthöhle
Vier Kilometer weiter am Südufer liegt Obertraun, das ruhige Gegenstück zu Hallstatt: eine Handvoll Gasthöfe, ein Strandbad und die Talstation der Dachstein-Krippenstein-Seilbahn. Hier beginnt der zweite große Tag der Reise.
Krippenstein und die Aussichtsplattform 5fingers
Die Seilbahn fährt in drei Sektionen: zur Schönbergalm (1.350 m), weiter auf den Krippenstein (2.100 m) und hinunter zur Gjaidalm. Von der Bergstation sind es 20 Minuten Fußweg zur Plattform 5fingers, deren fünf Stahlfinger 400 Meter frei über dem Abgrund schweben – einer mit Glasboden, einer mit Bilderrahmen. Tief unten liegt der Hallstätter See, im Süden der Gletscher des Hohen Dachsteins (2.995 m). Die Berg- und Talfahrt kostet ca. 40 €, die Saison dauert von Mitte Mai bis Ende Oktober; im Winter fährt die Bahn für Freerider.

Eishöhle und Mammuthöhle
Von der Mittelstation Schönbergalm führen Fußwege in 15 bis 20 Minuten zu zwei Schauhöhlen. Die Dachstein-Rieseneishöhle ist die spektakulärere: Bis zu acht Meter dicke Eisformationen werden bei der 50-minütigen Führung farbig ausgeleuchtet; drinnen herrschen konstant null Grad, eine Jacke ist Pflicht. Die Mammuthöhle nebenan ist eisfrei, dafür ein System von über 70 Kilometern, von dem eine Stunde Rundgang gezeigt wird. Die Höhlen öffnen von Anfang Mai bis Ende Oktober; das Kombiticket für Seilbahn und beide Höhlen liegt bei ca. 55–60 €. Sportliche schaffen Höhle und Krippenstein an einem Tag, entspannter sind zwei halbe Tage.
Gosausee, Bad Ischl und die großen Seen
Vorderer Gosausee
Aus dem Gosautal, 25 Autominuten oder eine Busfahrt (Linie 542/543) von Hallstatt, bietet sich der klassischste aller Dachsteinblicke: An windstillen Morgen spiegelt der Vordere Gosausee den Gletscher mit dem Gosaukamm zur Rechten. Der ebene Rundweg dauert gut eine Stunde; wer weiter will, wandert in 90 Minuten zum Hinteren Gosausee oder nimmt die Gosaukammbahn zur Zwieselalm. Das Wasser ist glasklar und selbst im Hochsommer kaum wärmer als 15 Grad.

Bad Ischl: Kaiservilla, Zauner und Kulturhauptstadt
Zwanzig Kilometer nördlich liegt Bad Ischl, das Herz der Region und Sommersitz von Kaiser Franz Joseph. Die Kaiservilla mit dem Schreibtisch, an dem 1914 die Kriegserklärung unterzeichnet wurde, ist von April bis Oktober täglich zu besichtigen (ca. 20 € inklusive Park). Ein Halt in der Konditorei Zauner gehört zum Pflichtprogramm: Seit 1832 backt man hier Zaunerstollen und Ischler Törtchen. 2024 war Bad Ischl gemeinsam mit 22 Gemeinden Kulturhauptstadt Europas – das renovierte Lehár-Theater und das Sudhaus der alten Saline sind als Kulturorte geblieben. Mit Therme und Bahnknoten ist Bad Ischl außerdem die praktischste Basis für Reisende ohne Auto.
Wolfgangsee: St. Wolfgang, Schafberg, St. Gilgen
Der Wolfgangsee ist der touristischste der Salzburger Seen, und das aus gutem Grund. St. Wolfgang mit dem Flügelaltar von Michael Pacher (1481) ist Ausgangspunkt der Schafbergbahn: Die dampfbetriebene Zahnradbahn überwindet in 35 Minuten fast 1.200 Höhenmeter bis auf 1.732 Meter, von wo Sie an klaren Tagen 14 Seen zählen können (ca. 50 € Berg- und Talfahrt, Reservierung dringend empfohlen, Betrieb Mai bis Oktober). Am Westufer liegt St. Gilgen, Heimatort von Mozarts Mutter, mit der Zwölferhorn-Seilbahn; zwischen den Orten pendeln die Schiffe.
Traunsee, Attersee, Mondsee und Almtal
Gmunden am Nordende des Traunsees ist eine kleine Stadt mit Keramikmanufaktur, Esplanade, dem Seeschloss Ort auf einer Insel und einer Straßenbahn, die vom Bahnhof direkt ans Ufer fährt. Über allem thront der Traunstein (1.691 m), der „Wächter des Salzkammerguts" – eine steile, aber lohnende Tagestour für Geübte. Der Attersee ist mit 20 Kilometern der größte Binnensee Österreichs und der wärmste zum Baden; Gustav Klimt malte hier seine Seebilder. Der Mondsee lockt mit der Basilika St. Michael, deren Fassade aus „The Sound of Music" bekannt ist. Ganz im Osten öffnet sich das Almtal mit Grünau, dem Almsee vor dem Toten Gebirge und dem Cumberland Wildpark mit den Graugänsen von Konrad Lorenz – die stillste Ecke der Region in der Hochsaison.
Essen und Trinken im Salzkammergut
Die Küche ist durch Seen, Almen und Kaffeehäuser geprägt. Die Reinanke, ein Fisch aus der Familie der Renken, kommt in fast jedem Seegasthof auf den Teller – gebraten in Butter oder geräuchert als Jause mit Kren und Semmel (ca. 22–30 € als Hauptgericht). In Bad Ischl gehört das Ischler Törtchen dazu, zwei Mürbteigböden mit Marillenmarmelade und Schokoladeglasur, im Kaffeehaus mit einer Melange serviert. Auf den Almhütten rund um Krippenstein und Schafberg ist der Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster die Standardstärkung (ca. 12–15 €); der Name geht, wie könnte es anders sein, auf Franz Joseph zurück. Getrunken wird Bier aus Zipf, im Herbst Most vom Bauern.
Wo übernachten? Die Orte im Vergleich
Die Wahl des Standorts entscheidet darüber, ob Sie zwischen Bussen stehen oder frühmorgens allein am See sind. Sechs Optionen im Überblick:
| Ort | Charakter | Gut für | Preis pro Nacht (Doppelzimmer) |
|---|---|---|---|
| Hallstatt Ort | Historisch, wenige Betten, tagsüber voll, abends still | Fotografen, Romantiker, zwei Nächte ohne Auto | ca. 150–280 € |
| Obertraun | Ruhiges Dorf am See, Talstation Dachstein | Wanderer, Familien, Preisbewusste nahe Hallstatt | ca. 90–160 € |
| Bad Goisern | Bodenständige Marktgemeinde, Handwerk, Radwege | Längere Aufenthalte, Ferienwohnungen, Radfahrer | ca. 80–140 € |
| Bad Ischl | Kaiserliche Kurstadt, Kaffeehäuser, Bahnknoten | Kultur, Reisende ohne Auto, Regentage | ca. 100–190 € |
| St. Wolfgang / St. Gilgen | Klassische Sommerfrische, Seehotels mit Steg | Badeurlaub, Schafberg, Nähe zu Salzburg | ca. 130–260 € |
| Gmunden | Kleinstadt mit Esplanade, Traunstein vor der Tür | Städtisches Flair, Bergsteiger, Anreise aus Linz | ca. 100–180 € |
In Hallstatt selbst gibt es nur wenige hundert Gästebetten in Pensionen, Privatzimmern und drei, vier Hotels – für den Sommer sollten Sie ein halbes Jahr im Voraus buchen. Wer flexibel bleibt, wählt einen Gasthof in Obertraun oder Bad Goisern und fährt mit Bus oder Schiff in den Ort. Wellnesshotels finden Sie vor allem in Bad Ischl, am Wolfgangsee und in Gosau, Almhütten mit Halbpension auf dem Dachsteinplateau.
Anreise und Mobilität
Mit der Bahn: die Salzkammergutbahn
Das Rückgrat der Region ist die Salzkammergutbahn zwischen Attnang-Puchheim (Westbahn Wien–Salzburg) und Stainach-Irdning im Ennstal. Sie hält in Gmunden, Ebensee, Bad Ischl, Bad Goisern, Hallstatt und Obertraun; die Regionalzüge der ÖBB fahren tagsüber stündlich. Aus Salzburg sind Sie mit Umstieg in Attnang-Puchheim in etwa 2 Stunden 20 Minuten in Hallstatt, aus Linz in rund 2 Stunden, aus Wien in gut 3 Stunden 30 Minuten. Das Klimaticket Österreich gilt auf allen Zügen und Bussen der Region.
Mit dem Bus und dem Schiff
Die schnellste Verbindung von Salzburg ist der Postbus 150 vom Hauptbahnhof über Fuschl, St. Gilgen und Strobl nach Bad Ischl (ca. 1 Stunde 40 Minuten, stündlich); von dort geht es mit Bahn oder Bus 542/543 weiter nach Hallstatt und Obertraun. Auf dem Hallstättersee verkehren die Linienschiffe von Ende April bis Oktober zwischen Hallstatt Markt, Hallstatt Bahnhof, Obertraun und Steeg; die Zugfähre fährt ganzjährig zu den Zugankünften.
Mit dem Auto: Parken in Hallstatt
Der Ortskern ist für Gäste gesperrt; Autos werden auf den Parkplätzen P1 (südlich, nahe Salzbergbahn) und P2 (weiter außerhalb) abgestellt, für ca. 10–15 € pro Tag; Hotelgäste erhalten Berechtigungen über ihr Haus. An Sommerwochenenden sind die Plätze ab dem späten Vormittag voll und die Zufahrt wird gesperrt – ein weiterer Grund für Bahn oder Frühstart. Von Salzburg fahren Sie über die B158 in etwa 1 Stunde 20 Minuten, von Wien über die A1 in gut 3 Stunden.
Alpengast-Tipp: Fragen Sie in Ihrer Unterkunft nach der Salzkammergut Card. Sie kostet ca. 5 €, gilt von Mai bis Oktober für die Dauer des Aufenthalts und bringt bis zu 30 Prozent Ermäßigung bei über 100 Partnern – von den Salzwelten über die Dachstein-Seilbahn bis zur Schafbergbahn. Schon bei einem einzigen Ausflugstag ist sie bezahlt.
Beste Reisezeit und Budget
Die Jahreszeiten
Der Sommer von Juni bis September ist Badezeit: Attersee, Wolfgangsee und Mondsee erreichen 22 bis 24 Grad, der tiefe Hallstättersee bleibt bei kühlen 18 bis 20. Es ist Hochsaison mit vollen Straßen, aber auch mit allen Seilbahnen und Schiffen in Betrieb. Der Herbst bis Ende Oktober ist für viele die schönste Zeit: klare Sicht vom Krippenstein, bunte Wälder, Almabtrieb in Gosau und halb leere Gassen in Hallstatt. Im Advent bleibt Hallstatt überraschend ruhig; der kleine Christkindlmarkt am Marktplatz findet meist an einem Wochenende Anfang Dezember statt. Der Winter gehört dem familienfreundlichen Skigebiet Dachstein West (Gosau–Russbach–Annaberg, rund 50 Pistenkilometer) und dem Krippenstein, der mit seiner ungesicherten Freeride-Arena ein Geheimtipp unter Tiefschneefahrern ist. Im November und April ruht die Region fast völlig.
Was kostet eine Woche?
Das Salzkammergut ist nicht billig, aber günstiger als Tirols Hotspots. Rechnen Sie pro Person und Tag mit ca. 110–160 € in einer Pension mit Frühstück, einem warmen Essen im Gasthof, einer Seilbahn- oder Schiffsfahrt und öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Wellnesshotel mit Halbpension steigen die Kosten auf ca. 200–300 €. Die großen Posten sind die Bergbahnen: Salzwelten, Krippenstein mit Höhlen und Schafbergbahn kosten zusammen schnell 150 € pro Person – planen Sie die Salzkammergut Card ein und verteilen Sie die Ausflüge auf mehrere Tage. Am billigsten reist, wer im Mai oder Oktober kommt, in Bad Goisern oder Obertraun schläft und mit der Bahn unterwegs ist.
Ob zwei Nächte in Hallstatt, eine Woche am Wolfgangsee oder eine Rundreise mit dem Klimaticket: Alle buchbaren Unterkünfte im Salzkammergut und in ganz Österreich finden Sie in unserer Hotelübersicht. Die Alpengast-Redaktion aktualisiert Preise und Betriebszeiten laufend – kleine Abweichungen vor Ort sind dennoch möglich.