Innsbruck kann etwas, das keine andere Stadt in den Alpen bietet: Von der Fußgängerzone bis auf einen 2.256 Meter hohen Gipfel braucht man rund zwanzig Minuten – ohne Auto, nur mit einer Standseilbahn und zwei Gondeln. Die Nordkette steht wie eine Mauer über den Dächern der Altstadt, und genau dieses Nebeneinander von Barockfassaden, Kaffeehaus und Karwendelfels macht die Tiroler Landeshauptstadt zum idealen Ziel für ein Wochenende.

Dieser Guide ist für 48 Stunden gedacht. Der erste Tag gehört der Altstadt und der Nordkette, der zweite dem Bergisel, Schloss Ambras und den Swarovski Kristallwelten in Wattens. Dazu kommen Winter- und Sommertipps, eine Zonentabelle für die Hotelwahl, Anreise und Budget. Alle Unterkünfte finden Sie auf unserer Seite zum Reiseziel Innsbruck.

Tag 1, Vormittag: Die Altstadt vom Goldenen Dachl bis zur Triumphpforte

Die Altstadt ist kompakt und in zwei bis drei Stunden zu Fuß zu erlaufen.

Goldenes Dachl und Stadtturm

Das Goldene Dachl ist das Wahrzeichen der Stadt: ein spätgotischer Prunkerker, den Kaiser Maximilian I. um 1500 anbauen ließ, um Turniere auf dem Platz zu verfolgen. Die 2.657 feuervergoldeten Kupferschindeln glänzen bei Morgensonne am schönsten; das kleine Museum dahinter (ca. 5–6 €) erzählt die Geschichte des Kaisers. Ein paar Schritte weiter führen 133 Stufen auf den Stadtturm aus dem 15. Jahrhundert (ca. 5 €): Von der Plattform überblicken Sie Altstadt, Inn und Nordkette.

Das Goldene Dachl in der Innsbrucker Altstadt vor der Nordkette
Das Goldene Dachl mit der Nordkette im Hintergrund – das klassische Innsbruck-Motiv

Hofburg und Hofkirche mit den Schwarzen Mandern

Am Rennweg liegt die Hofburg, die Maria Theresia im Rokokostil umbauen ließ; Riesensaal und Kaiserappartements sind in einer knappen Stunde besichtigt (ca. 10–12 €). Wichtiger ist die benachbarte Hofkirche mit dem leeren Prunkgrab Maximilians I., umringt von 28 überlebensgroßen Bronzefiguren, den „Schwarzen Mandern". Sie stellen Vorfahren und Vorbilder des Kaisers dar, darunter König Artus nach einem Entwurf Albrecht Dürers, und gelten als bedeutendstes Kaisergrabmal Europas.

Maria-Theresien-Straße und Triumphpforte

Die Herzog-Friedrich-Straße geht nahtlos in die Maria-Theresien-Straße über, die barocke Prachtstraße mit der Annasäule von 1706 und vielen der besten Kaffeehäuser der Stadt. Am südlichen Ende steht die Triumphpforte, die Maria Theresia 1765 zur Hochzeit ihres Sohnes Leopold errichten ließ. Während der Feierlichkeiten starb überraschend ihr Mann Franz Stephan, weshalb die Nordseite Trauer-, die Südseite Hochzeitsmotive zeigt.

Mittagspause auf Tirolerisch: Gröstl, Kaspressknödel, Kiachl

Für die Jause brauchen Sie in der Altstadt keine Reservierung. Die Klassiker: Tiroler Gröstl, in der Pfanne gebratene Erdäpfel mit Rindfleisch, Zwiebeln und Spiegelei (ca. 14–18 €); Kaspressknödel, knusprig gebratene Käseknödel in der Suppe oder mit Sauerkraut (ca. 12–15 €); und Kiachl, in Schmalz gebackene Germteigfladen, süß mit Preiselbeeren oder pikant mit Sauerkraut, am besten am Marktstand.

Alpengast-Tipp: Rechnen Sie nach, ob sich die Innsbruck Card lohnt. Die 48-Stunden-Version kostet ca. 70–75 € und enthält alle Öffis, die komplette Nordkettenbahn (allein ca. 45–50 €), Bergisel, Hofburg, Hofkirche, Schloss Ambras, den Sightseer-Bus und die Kristallwelten samt Shuttle.

Tag 1, Nachmittag: Auf die Nordkette – in 20 Minuten aus der Stadt auf 2.256 Meter

Nach dem Essen geht es zur Talstation Congress hinter der Hofburg. Drei Bahnen bringen Sie in etwa zwanzig Minuten Fahrzeit auf das Hafelekar.

Hungerburgbahn: Zaha Hadids Eisberge über dem Inn

Die 2007 eröffnete Standseilbahn ist selbst ein Ausflugsziel. Ihre vier Stationen Congress, Löwenhaus, Alpenzoo und Hungerburg hat Zaha Hadid entworfen; die weißen, geschwungenen Glasdächer erinnern an Gletscherformen. Die Bahn überquert den Inn auf einer Schrägseilbrücke und erreicht in acht Minuten die Hungerburg auf 860 Metern.

Seegrube und Hafelekar

Auf der Hungerburg wechseln Sie in die Seegrubenbahn, die auf die Seegrube in 1.905 Metern schwebt: Sonnenterrasse, Panoramarestaurant, Blick über die ganze Stadt bis zu den Stubaier Gletschern. Die Hafelekarbahn endet auf 2.256 Metern; in zehn Minuten sind Sie zu Fuß auf der Hafelekarspitze (2.334 m) mit Blick ins Karwendel und auf die Stadt tief unter Ihnen. Das Rückfahrtticket ab Congress kostet ca. 45–50 €. Beachten Sie die Betriebszeiten: Die Hafelekarbahn fährt je nach Saison letztmals gegen 17 Uhr talwärts, die Hungerburgbahn bis in den späten Abend.

Die Bergstation Hafelekar auf der Nordkette über Innsbruck
Die Bergstation Hafelekar auf 2.256 Metern – vom Stadtzentrum in rund zwanzig Minuten erreichbar

Alpengast-Tipp: Fahren Sie nur bei klarer Sicht ganz hinauf. Die Webcams der Nordkettenbahnen zeigen die Bedingungen in Echtzeit; hängen Wolken am Kamm, ist die Seegrube die bessere Wahl.

Tag 2: Bergisel, Schloss Ambras und die Swarovski Kristallwelten

Der zweite Tag führt an den südlichen Stadtrand und ins Inntal. Alle drei Ziele sind mit Öffis erreichbar; wer alle besuchen will, startet um 9 Uhr am Bergisel.

Bergisel-Sprungschanze

Die Schanze auf dem Bergisel im Stadtteil Wilten ist Innsbrucks zweites Zaha-Hadid-Bauwerk: Der 2002 eröffnete, 50 Meter hohe Turm ersetzte die Olympiaschanze von 1964 und 1976. Ein Schrägaufzug bringt Sie zum Panoramacafé am Absprungpunkt mit Blick über Stadt und Nordkette. Jedes Jahr am 3. oder 4. Jänner findet hier das dritte Springen der Vierschanzentournee statt. Eintritt ca. 11–12 €, täglich ab 9 Uhr, Straßenbahn 1 oder 6 bis Bergisel.

Schloss Ambras

Auf einem Hügel im Osten der Stadt ließ Erzherzog Ferdinand II. im 16. Jahrhundert Schloss Ambras zur Renaissanceresidenz für seine bürgerliche Frau Philippine Welser ausbauen. Seine Kunst- und Wunderkammer ist das einzige Kabinett dieser Art, das sich noch am ursprünglichen Ort befindet. Eintritt ca. 16 € im Sommer, ca. 12 € im Winter, geschlossen im November; Anfahrt mit dem Sightseer-Bus oder der Buslinie C.

Swarovski Kristallwelten in Wattens

Rund 20 Kilometer östlich liegt Wattens, der Stammsitz von Swarovski. Zum 100-jährigen Jubiläum 1995 gestaltete André Heller die Kristallwelten: Ein grasbewachsener Riese bewacht den Eingang, dahinter öffnen sich Wunderkammern, die verschiedene Künstler mit Kristall gestaltet haben. Eintritt ca. 23–25 €, täglich 9 bis 19 Uhr. Der Shuttle fährt mehrmals täglich vom Hauptbahnhof (ca. 20 Minuten).

Winter oder Sommer? Ski plus City, Innsbruck Trek und Zirbenweg

Innsbruck funktioniert in beiden Jahreszeiten, verändert aber seinen Charakter vollkommen.

Winter: Skifahren mit Blick auf die Stadt

Der Ski plus City Pass Stubai Innsbruck gilt für 13 Skigebiete und die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt; zwei Tage kosten ca. 150–170 €. Die Nordkette ist mit der Hafelekarrinne, einer der steilsten Abfahrten Europas mit 70 Prozent Gefälle, ein Ziel für Könner. Die Axamer Lizum, Olympiaort von 1964 und 1976, liegt 20 Kilometer südwestlich und bietet rund 40 sonnige Pistenkilometer. Der Patscherkofel über Igls ist der Hausberg mit der legendären Klammer-Abfahrt von 1976, heute ein Familiengebiet. Kühtai, 35 Kilometer westlich, ist mit 2.020 Metern das höchstgelegene Skidorf Österreichs, und der Stubaier Gletscher erlaubt Skifahren bis 3.210 Meter von Oktober bis Juni. Wer ein klassisches Skidorf sucht, kombiniert das Wochenende mit St. Anton am Arlberg oder Kitzbühel, beide gut eine Stunde mit dem Railjet entfernt.

Sommer: Wandern ab der Haltestelle

Der beliebteste Höhenweg ist der Zirbenweg am Patscherkofel: Von der Bergstation (Bus J nach Igls) führt er auf 2.000 Metern fast eben durch einen der ältesten Zirbenwälder Europas zur Glungezerbahn, etwa sieben Kilometer und zweieinhalb Stunden mit Blick über das Inntal. Wer mehr will, bucht den Innsbruck Trek, eine geführte Mehrtagestour mit Gepäcktransport und Übernachtung in Almhütten und Gasthöfen.

Wo übernachten? Zonen und Preise

Die Preise gelten pro Doppelzimmer und Nacht in der Nebensaison; zu Weihnachten, zur Vierschanzentournee und im Hochsommer liegen sie deutlich höher.

ZoneCharakterGut fürPreis pro Nacht (Doppelzimmer)
AltstadtHistorische Gassen, Gasthöfe in alten Häusern, abends belebt, Hungerburgbahn fußläufigErstbesucher, kurze Wegeca. 130–240 €
SaggenRuhiges Gründerzeitviertel mit Villen und Alleen östlich der HofburgRuhesuchende, Familienca. 100–170 €
Wilten / BergiselJunges Universitätsviertel südlich des Hauptbahnhofs, Bars und BäckereienKleines Budget, Bahnreisendeca. 90–160 €
Hötting / HungerburgSonniger Hang über der Stadt, Pensionen mit Panoramablick, direkt an der NordkettenbahnAussicht, Wanderer, Skifahrerca. 110–200 €
IglsDorfcharakter auf 900 Metern, Kurhotels, Patscherkofelbahn, Straßenbahn 6 ins ZentrumErholung, Wellnessca. 120–220 €

Wer mit dem Zug anreist, ist in der Altstadt oder in Wilten am besten aufgehoben; für ein Wochenende mit Schwerpunkt Berge sind Hötting und Igls die klügeren Adressen. Rechnen Sie mit einer Ortstaxe von ca. 3–4 € pro Person und Nacht, die oft nicht im Zimmerpreis enthalten ist.

Anreise und Öffis: Hauptbahnhof, Flughafen, IVB und Welcome Card

Mit der Bahn

Der Hauptbahnhof liegt zehn Gehminuten südöstlich der Altstadt. Der ÖBB Railjet fährt ab Wien Hauptbahnhof stündlich und braucht ca. 4 Stunden 15 Minuten, ab Salzburg ca. 1 Stunde 50 Minuten; die WESTbahn bedient dieselbe Strecke mehrmals täglich, oft günstiger. Aus München erreichen Sie Innsbruck in ca. 1 Stunde 50 Minuten. Mit dem Klimaticket Österreich fahren Sie Bahn und alle Innsbrucker Öffis ohne Zusatzkosten.

Mit dem Flugzeug

Der Flughafen Innsbruck (INN) liegt nur vier Kilometer westlich des Zentrums. Die Buslinie F bringt Sie in rund 20 Minuten zum Hauptbahnhof (ca. 3 €), ein Taxi kostet ca. 15–20 €.

Öffis in der Stadt

Die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) bedienen alle Ziele dieses Guides: Straßenbahn 1 und 6 zum Bergisel, Straßenbahn 6 weiter nach Igls, Bus J zur Patscherkofelbahn, Bus F zum Flughafen, Bus C nach Schloss Ambras. Eine Einzelfahrt kostet ca. 3 €, die 24-Stunden-Karte ca. 6–7 €. Ab zwei Übernachtungen erhalten Sie von Ihrer Unterkunft kostenlos die Welcome Card: Sie enthält die Öffis in Innsbruck und den Feriendörfern, geführte Wanderungen und Ermäßigungen bei Bergbahnen.

Alpengast-Tipp: Verzichten Sie auf ein Mietauto. Die Altstadt ist Fußgängerzone, Parkgaragen kosten ca. 20–30 € pro Tag, und alle Ziele dieses Guides sind mit Zug, Bus, Skibus oder Shuttle erreichbar.

Beste Reisezeit und Budget

Jahreszeiten und Wetter

Von Mitte November bis 23. Dezember verwandeln sechs Christkindlmärkte die Stadt, allen voran der Altstadtmarkt vor dem Goldenen Dachl und der Markt auf der Hungerburg mit Blick auf die beleuchtete Stadt. Jänner und Februar sind Hochsaison für Skifahrer, mit der Vierschanzentournee als Höhepunkt. Mai, Juni und September sind die angenehmsten Städtemonate mit klarer Sicht und moderaten Preisen. Juli und August sind warm, oft über 30 Grad im Tal. Der November ist stille Nebensaison mit vielen geschlossenen Bergbahnen. Eine Besonderheit ist der Föhn: Der warme Südwind bringt binnen Stunden Temperatursprünge und glasklare Fernsicht – aber auch Kopfschmerzen.

Was kostet das Wochenende?

Für zwei Nächte in einem Mittelklassehotel oder Gasthof zahlen Sie pro Person im Doppelzimmer ca. 120–200 €. Rechnen Sie mit ca. 60–80 € pro Tag für Essen und Trinken. Die Innsbruck Card für 48 Stunden schlägt mit ca. 70–75 € zu Buche und deckt alle Eintritte und Bahnen dieses Guides ab. Insgesamt liegt ein Wochenende ab Wien oder München bei ca. 400–550 € pro Person, im Winter mit Skipass ca. 150 € mehr.

Innsbruck belohnt jede Stunde und macht Lust auf mehr Tirol. Passende Unterkünfte, vom Altstadt-Gasthof bis zum Wellnesshotel in Igls, finden Sie in unserer Hotelübersicht. Die Alpengast-Redaktion wünscht gute Reise – und klare Sicht auf dem Hafelekar.