Auf 36 Flusskilometern zwischen Melk und Krems drängt sich zusammen, was Niederösterreich ausmacht: ein breiter, ruhig fließender Strom, steile Weinterrassen aus Urgestein, Barockstifte auf Felsen und Dörfer, die seit dem Mittelalter kaum verändert wurden. Die Wachau ist seit 2000 UNESCO-Welterbe und dabei keine Kulisse, sondern eine bewirtschaftete Landschaft: Im April blühen die Marillenbäume, im Herbst tragen die Winzer die Trauben von Hand die Trockensteinmauern herunter, und dazwischen sitzt man beim Heurigen mit Blick auf die Donau.

Dieser Guide der Alpengast-Redaktion führt Sie flussabwärts von Melk nach Krems, erklärt die Weinkategorien auf jedem Etikett und zeigt, wie Sie das Tal per Rad, Schiff oder zu Fuß erleben – mit Ortstabelle, Anreise, Reisezeit und Budget. Die Wachau ist ein klassischer Tagesausflug von Wien aus; wer zwei oder drei Nächte bleibt, erlebt sie ohne die Busgruppen, die am Abend wieder verschwinden.

Das Tal im Überblick: von Melk flussabwärts nach Krems

Die Wachau beginnt, wo die Donau bei Melk in ein enges Durchbruchstal eintritt, und endet, wo sie sich bei Krems wieder öffnet. Am Nordufer liegen die Weinorte Spitz, Weißenkirchen und Dürnstein, am Südufer die stilleren Dörfer Rossatz und Mautern sowie die Ruine Aggstein. Brücken gibt es nur in Melk und Mautern/Krems, dazwischen übernehmen Rollfähren den Uferwechsel.

Stift Melk: Barock über der Donau

Das Benediktinerstift Melk thront seit 1089 auf einem Felsen über dem Strom; seine heutige Gestalt schuf Jakob Prandtauer zwischen 1702 und 1736. Der Rundgang führt durch die Kaiserzimmer und den Marmorsaal mit Fresko von Paul Troger über den Altan mit Donaublick in die Bibliothek mit rund 100.000 Bänden und 1.800 Handschriften – und schließlich in die Stiftskirche, einen Goldrausch aus Stuck, Fresken und Hochaltar. Rechnen Sie mit ca. 15 € Eintritt und zwei Stunden inklusive Stiftspark; von November bis März ist der Besuch nur mit Führung möglich, meist um 11 und 14 Uhr.

Stift Melk über der Donau, von Norden gesehen
Stift Melk über der Donau: der barocke Auftakt der Wachau

Dürnstein: Löwenherz und der blaue Turm

Das meistfotografierte Motiv der Wachau ist der hellblaue Turm der Stiftskirche von Dürnstein aus den 1720er-Jahren, der vom Schiff aus am schönsten wirkt. Darüber liegt die Burgruine, in der Richard Löwenherz im Winter 1192/93 gefangen saß, nachdem er auf dem Rückweg vom Kreuzzug bei Wien erkannt worden war. Der Aufstieg dauert eine knappe halbe Stunde, kostet nichts und bietet den besten Blick auf die Donauschleife. Der Ort selbst besteht im Wesentlichen aus einer Gasse; vor 10 und nach 17 Uhr haben Sie sie fast für sich.

Weißenkirchen, Spitz und Willendorf

Weißenkirchen ist das Zentrum des Rieslings: Die Rieden Achleiten und Klaus zählen zu den besten Lagen Österreichs, im Ort locken die Wehrkirche und das Wachaumuseum. Spitz liegt am Fuß des Tausendeimerbergs, eines einzelnen, komplett mit Reben bepflanzten Hügels, der in guten Jahren angeblich tausend Eimer Wein – rund 56.000 Liter – hervorbrachte; ein Rundweg führt in einer Stunde hinauf. Wenige Kilometer flussaufwärts fand man 1908 in Willendorf die rund 29.500 Jahre alte Venus; das Original steht im Naturhistorischen Museum in Wien, an der Fundstelle erinnert ein kleines Museum daran.

Krems, Stein, Göttweig und Aggstein

Krems ist mit rund 25.000 Einwohnern die Stadt der Wachau und wird oft unterschätzt. Durch das spätgotische Steiner Tor betreten Sie eine Altstadt mit Renaissancehöfen und guten Kaffeehäusern; an der Kunstmeile Richtung Stein reihen sich Kunsthalle Krems, Landesgalerie Niederösterreich und das Karikaturmuseum mit dem Werk von Manfred Deix aneinander. Auf der anderen Donauseite thront Stift Göttweig, das „österreichische Montecassino“, mit der Kaiserstiege und Trogers Deckenfresko (ca. 12 €, Bus ab Krems). Am anderen Ende des Tals sitzt die Burgruine Aggstein aus dem 12. Jahrhundert rund 300 Meter über dem Südufer (ca. 8 €).

Wein: Grüner Veltliner, Riesling und die drei Kategorien

Die Wachau ist mit rund 1.350 Hektar ein kleines, aber international hochgehandeltes Weinbaugebiet. Zwei Sorten dominieren: der Grüne Veltliner, würzig und pfeffrig, auf den tieferen Lössböden zuhause, und der Riesling, der auf den kargen Urgesteinsterrassen aus Gneis seine mineralische Schärfe entwickelt. Praktisch alle Weine sind trocken ausgebaut.

Steinfeder, Federspiel, Smaragd

Auf den Etiketten stehen die drei Kategorien der Winzervereinigung Vinea Wachau, die sich am natürlichen Alkoholgehalt orientieren. Steinfeder ist der leichteste Wein (bis 11,5 % vol.), benannt nach einem federleichten Gras der Terrassen, ideal als Jausenwein. Federspiel (11,5 bis 12,5 % vol.) ist die klassische mittlere Kategorie, benannt nach einem Begriff aus der Falknerei. Smaragd (ab 12,5 % vol.), benannt nach der Smaragdeidechse auf den warmen Mauern, ist die kräftigste und lagerfähigste Stufe aus den besten Rieden wie Loibenberg, Kellerberg oder Singerriedel.

Heurige, Vinotheken und Weinherbst

Der einfachste Zugang zum Wein ist der Heurige: Winzer schenken zeitlich begrenzt eigene Weine aus und servieren dazu eine kalte Jause – Brettljause mit Speck und Verhackertem, Liptauer, Schmalzbrot, dazu ein Achtel Veltliner für ca. 3–5 €. Erkennungszeichen ist der ausgesteckte Föhrenbuschen über der Tür. Wer verkosten möchte, ohne von Hof zu Hof zu fahren, geht in eine der Vinotheken in Spitz, Weißenkirchen, Dürnstein oder Krems. Höhepunkt des Jahres ist der Weinherbst Niederösterreich von September bis Ende Oktober mit Lesefesten, Kellergassenwanderungen und dem jungen „Sturm“, dem gärenden Traubenmost.

Alpengast-Tipp: Bestellen Sie beim Heurigen nicht „ein Glas Weißwein“, sondern ein Achtel Federspiel und danach denselben Wein als Smaragd. Der direkte Vergleich erklärt das System besser als jede Weinkarte.

Marille: die zweite Währung des Tals

Neben dem Wein prägt die Wachauer Marille das Tal, seit 1996 mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Rund 100.000 Bäume stehen zwischen Melk und Krems, und ihre Blüte in der ersten Aprilhälfte verwandelt die Hänge für etwa zehn Tage in ein weiß-rosa Meer; der Termin schwankt mit dem Wetter. Kulinarisch begegnet Ihnen die Frucht als Marillenknödel aus Topfen- oder Erdäpfelteig, in Butterbröseln gewälzt und als Hauptspeise für ca. 12–15 € serviert, als Marillenschnaps aus den Brennereien der Winzer und als Marmelade beim Frühstück in fast jeder Pension. Dazu gehört das Wachauer Laberl, eine knusprige Semmel aus Weizen- und Roggenmehl, 1905 in Dürnstein erfunden und heute Grundlage jeder Jause im Tal.

Aktiv unterwegs: Rad, Schiff und Welterbesteig

Donauradweg: die flache Paradeetappe

Der Donauradweg von Passau nach Wien ist einer der meistbefahrenen Radfernwege Europas, und der Abschnitt Melk–Krems gilt als sein Höhepunkt. Die rund 35 Kilometer verlaufen praktisch ohne Steigung auf beiden Ufern: das Nordufer durch die Weinorte, das ruhigere Südufer über Aggsbach, Rossatz und Mautern. Leihräder und E-Bikes gibt es in Melk, Spitz und Krems (ca. 20–35 € pro Tag, Einwegmiete Melk–Krems möglich). Die Rollfähren Spitz–Arnsdorf, Weißenkirchen–St. Lorenz und Dürnstein–Rossatz bringen Sie mit Rad für ca. 3–4 € über den Strom, meist von April bis Oktober bis in den frühen Abend.

Mit dem Schiff von Melk nach Krems

Die Linienschiffe von DDSG Blue Danube und Brandner Schiffahrt verkehren von etwa April bis Oktober zwischen Melk, Spitz, Dürnstein und Krems. Talwärts dauert die Strecke rund 1 Stunde 45 Minuten, bergwärts gut drei Stunden; die einfache Fahrt kostet ca. 30–35 €, Räder fahren gegen Aufpreis mit.

Spitz an der Donau mit dem rebenbedeckten Tausendeimerberg
Spitz an der Donau mit dem Tausendeimerberg; links im Fluss das Seil der Rollfähre nach Arnsdorf

Wandern auf dem Welterbesteig

Der Welterbesteig Wachau umrundet das Tal auf 180 Kilometern in 14 Etappen, meist oberhalb der Terrassen mit ständigem Donaublick. Für einen Tag eignen sich Dürnstein–Weißenkirchen über die Ruine und den Vogelbergsteig (ca. 3 Stunden, teils seilgesichert) oder Spitz–Weißenkirchen über den Tausendeimerberg. Ein beliebtes Ziel ist die Wachauer Nase, eine Aussichtsplattform hoch über dem Strom mit Blick in beide Richtungen.

Alpengast-Tipp: Nehmen Sie morgens den Zug nach Melk, radeln Sie bis Spitz oder Dürnstein und steigen Sie dort auf das Nachmittagsschiff nach Krems um. So haben Sie Rückenwind und Strömung auf Ihrer Seite und erreichen Krems rechtzeitig für einen Abend in der Altstadt.

Tagesausflug von Wien: so gelingt er

Die Züge der Westbahnstrecke brauchen vom Wiener Hauptbahnhof rund eine Stunde nach Melk; dort besichtigen Sie vormittags das Stift, steigen mittags auf Schiff oder Rad um und fahren abends von Krems mit der Franz-Josefs-Bahn zurück (ca. 1 Stunde 5 Minuten). Die ÖBB bieten dafür ein Kombiticket Wachau an, das Bahnfahrt hin und zurück sowie die Schifffahrt Melk–Krems bündelt (ca. 60–70 €); wer ein Klimaticket besitzt, zahlt nur das Schiff. Wer weiterreist, verbindet den Ausflug mit Linz, das auf derselben Westbahnstrecke liegt.

Wo übernachten? Die Orte im Vergleich

Die Wachau hat keine großen Hotels, dafür Winzerzimmer, Gasthöfe, Pensionen und einige stilvolle Häuser in historischen Mauern. Wer beim Weingut schläft, frühstückt mit Blick auf die Reben und verkostet abends im Hof. Die sechs wichtigsten Standorte:

OrtCharakterGut fürPreis pro Nacht (Doppelzimmer)
DürnsteinPostkartenort, tagsüber voll, abends stillRomantik, Erstbesucherca. 130–250 €
WeißenkirchenDörflich, Rieslinglagen, viele Winzerzimmer und HeurigeWeinliebhaber, Wandererca. 100–180 €
SpitzÜberschaubarer Weinort, Bahn und Schiff am OrtRadfahrer, Familienca. 90–160 €
Krems/SteinKleinstadt mit Altstadt, Museen und BahnhofKultur, Anreise ohne Autoca. 100–170 €
MelkStiftsstadt, beste Zuganbindung nach Wien und LinzRadstart, kurze Aufenthalteca. 90–150 €
MauternRuhiges Südufer, Winzerzimmer und WeingüterRuhe, Weingut-Übernachtungca. 90–160 €

Die Preise gelten für die Hauptsaison von Mai bis Oktober; im Weinherbst und zur Marillenblüte sind die Winzerzimmer in Dürnstein und Weißenkirchen oft Wochen im Voraus ausgebucht.

Anreise und Mobilität im Tal

Mit der Bahn

Melk liegt an der Westbahnstrecke der ÖBB: Regionalzüge und Cityjet-Xpress verbinden es etwa stündlich in einer Stunde mit Wien und in einer guten Stunde mit Linz. Krems erreichen Sie mit der Franz-Josefs-Bahn ab Wien Franz-Josefs-Bahnhof (ca. 1 Stunde 5 Minuten, stündlich). Durch das Tal fährt die Wachaubahn der NÖVOG zwischen Krems und Emmersdorf gegenüber von Melk: eine nostalgische Regionalbahn mit Halt in Dürnstein, Weißenkirchen und Spitz, die von April bis Oktober mehrmals täglich verkehrt, Räder mitnimmt und rund eine Stunde braucht. Sie hat einen eigenen Tarif und ist weder vom Klimaticket noch von ÖBB-Tickets abgedeckt (Tageskarte ca. 20 €).

Bus, Auto und Flughafen

Ganzjährig verbindet die Buslinie WL1 des Verkehrsverbunds Ost-Region Krems und Melk am Nordufer über Dürnstein, Weißenkirchen und Spitz; hier gelten VOR-Tarife und Klimaticket. Mit dem Auto erreichen Sie Melk über die A1 in rund einer Stunde ab Wien; durch das Tal führen die B3 am Nordufer und die B33 am Südufer, an Herbstwochenenden stark befahren. Vom Flughafen Wien-Schwechat brauchen Sie mit dem Mietwagen rund 1 Stunde 15 Minuten nach Krems; mit der Bahn fahren Sie über Wien Hauptbahnhof zur Franz-Josefs-Bahn.

Alpengast-Tipp: Lassen Sie das Auto stehen, sobald Sie im Tal sind. Wer in Krems oder Melk parkt und Wachaubahn, Rollfähre, Schiff und Rad kombiniert, ist entspannter unterwegs als im Stau vor Dürnstein – und kann beim Heurigen guten Gewissens ein zweites Achtel bestellen.

Beste Reisezeit, Klima und Budget

Die Wachau liegt im pannonisch geprägten Osten Österreichs: Sommer sind warm bis heiß, Winter kalt und neblig, Frühling und Herbst stabil und sonnig. Die erste Aprilhälfte gehört der Marillenblüte, dem schönsten und kürzesten Fenster des Jahres. Im Hochsommer ist das Rad am Fluss angenehmer als der Aufstieg zu den Ruinen, dafür laden Donaubadeplätze bei Rossatz und Aggsbach zur Abkühlung. September und Oktober bringen den Weinherbst, wenn sich die Terrassen gelb und rot färben – die beliebteste und teuerste Saison. Im Advent öffnen die Weihnachtsmärkte in Dürnstein und im Stift Melk, klein, stimmungsvoll und ohne den Rummel der Städte.

Die Wachau ist kein Billigziel, aber ein faires. Ein Doppelzimmer in Pension oder Winzerhof kostet ca. 90–180 €, ein Abendessen beim Heurigen mit Jause und zwei Achteln ca. 20–30 € pro Person, ein Menü im Gasthaus ca. 35–60 €. Ein Wochenende zu zweit mit zwei Übernachtungen, Rad, Schiff und Wein liegt damit realistisch bei ca. 500–800 €.

Ob Winzerzimmer in Weißenkirchen, Gasthof in Spitz oder ein Haus in der Kremser Altstadt: Passende Unterkünfte in der Wachau und im ganzen Land finden Sie in der Hotelübersicht von Alpengast.at.