Wien zählt seit Jahren zu den lebenswertesten Städten der Welt, und wer drei Tage hier verbringt, versteht schnell, warum: Die Wege sind kurz, die Öffis fahren im Minutentakt, und zwischen Kaiserpalästen, Museen und Kaffeehäusern liegt selten mehr als eine Viertelstunde zu Fuß. Trotzdem lohnt sich ein Plan.

Genau so ist dieser Guide aufgebaut. Tag eins gehört der Inneren Stadt zwischen Stephansdom, Hofburg und Ringstraße, Tag zwei den Schlössern und Museen von Schönbrunn bis Belvedere, Tag drei dem grünen Wien mit Prater, Donauinsel und Heurigen – oder einem Ausflug in die Wachau. Dazu kommen eine Bezirkstabelle für die Hotelwahl, das Wichtigste zu den Wiener Linien und Informationen zur Anreise. Einen Überblick über das Reiseziel mit allen Unterkünften finden Sie auf unserer Seite zu Wien.

Tag 1: Innere Stadt – Stephansdom, Hofburg und Ringstraße

Stephansdom und Stephansplatz

Der Stephansdom mit seinem 136 Meter hohen Südturm und dem bunt glasierten Ziegeldach ist das Wahrzeichen Wiens. Der vordere Teil des Kirchenschiffs ist frei zugänglich, für Hauptschiff, Katakomben und Türme gibt es ein Kombiticket für ca. 20–25 €. Sportliche nehmen die 343 Stufen auf den Südturm (ca. 6–7 €), Bequeme fahren mit dem Lift zur Pummerin im Nordturm. Planen Sie rund eineinhalb Stunden ein.

Graben, Kohlmarkt und Hofburg

Vom Stephansplatz führt der Graben mit der barocken Pestsäule zum Kohlmarkt, der teuersten Einkaufsstraße Österreichs, und weiter zum Michaelerplatz mit der geschwungenen Fassade der Hofburg, über 600 Jahre lang Residenz der Habsburger. Drinnen konkurrieren mehrere Museen um Ihre Zeit: Das Sisi Museum mit Kaiserappartements und Silberkammer (ca. 20 €) ist der Klassiker, der Prunksaal der Nationalbibliothek (ca. 10 €) der schönste Raum der Stadt. Wer nur eines wählt, nimmt den Prunksaal.

Alpengast-Tipp: Zu Mittag brauchen Sie kein Restaurant. Ein Würstelstand – etwa am Hohen Markt oder an der Albertina – serviert Käsekrainer mit Semmel und Senf für ca. 5–7 €. Das ist Wiener Alltagskultur, und die Schlange aus Anzugträgern und Touristen gehört dazu.

Ringstraße und Staatsoper

Am Nachmittag geht es auf die Ringstraße, den 5,3 Kilometer langen Prachtboulevard, der ab 1865 anstelle der Stadtmauer entstand. Nehmen Sie die Straßenbahnlinien 1, 2, D oder 71, die Teilabschnitte des Rings befahren und mit dem normalen Ticket der Wiener Linien gültig sind: vorbei an Universität, Votivkirche, Rathaus, Burgtheater, Parlament und den beiden Hofmuseen bis zur Staatsoper. Die Staatsoper bietet täglich Führungen (ca. 15 €), das eigentliche Erlebnis sind aber die Stehplätze: Für ca. 15–20 € stehen Sie abends in einem der besten Opernhäuser der Welt, Tickets gibt es tagesaktuell online.

Kaffeehauskultur am Abend

Ein Tag in der Inneren Stadt ist ohne Melange nicht komplett. Klassische Adressen sind das Café Central in der Herrengasse, das Café Hawelka hinter dem Graben und das Café Prückel am Stubenring. Eine Melange kostet ca. 5–6 €, dazu gehören ein Glas Wasser und so viel Zeit, wie Sie möchten. Zum Abendessen empfehlen sich die Beisln der Inneren Stadt: Ein Wiener Schnitzel vom Kalb mit Erdäpfelsalat kostet ca. 22–28 €.

Tag 2: Schönbrunn, Naschmarkt und die großen Museen

Schloss Schönbrunn am Morgen

Fahren Sie mit der U4 bis Schönbrunn und seien Sie zur Öffnung um halb neun am Eingang – am Vormittag ist die Sommerresidenz der Habsburger deutlich leerer. Die Imperial Tour (22 Räume, ca. 25 €) reicht für einen ersten Eindruck, die Grand Tour (40 Räume, ca. 30 €) zeigt zusätzlich die Prunkräume Maria Theresias; buchen Sie online mit Zeitfenster. Der Schlosspark ist kostenlos: Der Aufstieg zur Gloriette dauert eine Viertelstunde und belohnt mit dem berühmten Blick über das Schloss bis zum Stephansdom.

Schloss Schönbrunn mit Parterre, gesehen von der Gloriette
Schloss Schönbrunn und das Große Parterre, gesehen von der Gloriette

Mittag am Naschmarkt

Zurück mit der U4 bis Kettenbrückengasse: Der Naschmarkt zieht sich auf 1,5 Kilometern entlang der Wienzeile, gesäumt von den Jugendstilhäusern Otto Wagners. Vorne die Standln mit Käse, Oliven und Gewürzen, weiter hinten die Lokale mit orientalischen Vorspeisen, Wiener Küche und Sushi; ein Mittagsteller kostet ca. 12–18 €.

MuseumsQuartier und Kunsthistorisches Museum

Zehn Gehminuten weiter liegt das MuseumsQuartier in den ehemaligen Hofstallungen. Für einen Nachmittag müssen Sie wählen: Das Leopold Museum besitzt die weltweit größte Egon-Schiele-Sammlung und wichtige Werke Klimts (ca. 17 €), das mumok zeigt Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Gegenüber am Maria-Theresien-Platz wartet das Kunsthistorische Museum mit der Bruegel-Sammlung, Vermeers Malkunst und der Kunstkammer (ca. 21–25 €).

Belvedere: Klimts Kuss

Den Abschluss bildet das Belvedere, das Sie mit der Straßenbahn D vom Ring in zehn Minuten erreichen. Das Obere Belvedere, Sommerschloss des Prinzen Eugen, beherbergt die weltweit größte Klimt-Sammlung mit dem Kuss, dazu Schiele, Kokoschka und Waldmüller. Der Eintritt liegt bei ca. 18–20 €, das letzte Zeitfenster startet meist um 17 Uhr. Danach spazieren Sie kostenlos durch den barocken Garten hinunter zum Unteren Belvedere – die Aussicht auf die Silhouette der Stadt ist abends im Gegenlicht am schönsten.

Oberes Belvedere in Wien mit Spiegelteich
Das Obere Belvedere spiegelt sich im großen Teich vor dem Schloss

Alpengast-Tipp: Wenn Sie zwischen Kunsthistorischem Museum und Belvedere entscheiden müssen, nehmen Sie das Belvedere: kürzere Wege, ein kompaktes Haus, Klimt und der Garten als Draufgabe.

Tag 3: Prater, Donau und Heurige – oder die Wachau

Für den dritten Tag gibt es drei Programme, je nach Wetter und Laune. Option A zeigt das grüne Wien an der Donau, Option B fährt hinauf in die Weinberge zum Heurigen, Option C verlässt Wien für einen Tag Richtung Wachau.

Option A: Prater und Donauinsel

Der Prater ist zweierlei: der Wurstelprater mit Fahrgeschäften und dem Riesenrad von 1897 (Fahrt ca. 14–16 €) und der Grüne Prater, sechs Quadratkilometer Auwald entlang der 4,4 Kilometer langen Hauptallee. Vom Praterstern (U1, U2, S-Bahn) sind Sie in fünf Minuten am Riesenrad; danach leihen Sie ein Rad und rollen die Hauptallee hinunter. Nachmittags weiter mit der U1 zur Donauinsel: Die 21 Kilometer lange Insel ist Wiens Badestrand mit Liegewiesen, Radwegen und Lokalen am Wasser.

Option B: Heuriger in Grinzing oder Nussdorf

Wien ist die einzige Millionenstadt mit nennenswertem Weinbau innerhalb der Stadtgrenzen, rund 600 Hektar liegen an den Hängen des Wienerwalds. Die Straßenbahn 38 bringt Sie vom Schottentor in 25 Minuten nach Grinzing, die Linie D nach Nussdorf. Ein Föhrenbuschen über der Tür zeigt an, dass der Heurige „ausg'steckt“ hat. Bestellen Sie ein Viertel Gemischter Satz (ca. 4–5 €) und holen Sie sich Ihre Jause am Buffet: Liptauer, Blunzn, Schweinsbraten und Brot für ca. 12–18 € pro Person. Grinzing ist berühmt und touristisch, in Nussdorf und Stammersdorf geht es ruhiger zu.

Option C: Tagesausflug in die Wachau

Das Donautal zwischen Melk und Krems ist UNESCO-Welterbe und mit dem Zug leicht zu erreichen: Vom Hauptbahnhof oder Westbahnhof fahren Sie in rund einer Stunde nach Melk (ca. 20–25 € pro Richtung, mit Klimaticket inklusive). Nach dem Barockstift Melk (ca. 15 €) steigen Sie auf das Schiff: Die Fahrt nach Krems dauert gut drei Stunden (ca. 35–40 €) und passiert Weinterrassen, Spitz und die Burgruine Dürnstein; von Krems bringt Sie die Bahn in einer Stunde zurück. Die Schiffe verkehren von April bis Oktober.

Wo übernachten? Die Bezirke im Vergleich

Wien ist in 23 Bezirke gegliedert, und die Adresse Ihres Hotels bestimmt den Rhythmus Ihrer Reise. Für Erstbesucher kommen vor allem der erste Bezirk und die Bezirke innerhalb des Gürtels in Frage.

BezirkCharakterGut fürPreis pro Nacht (Doppelzimmer)
1. Innere StadtBarocke Kulisse, alles fußläufig, abends teils ruhigErstbesucher, Kurztrips, Grandhotelca. 180–320 €
7. NeubauKreativviertel, Boutiquen, Bars, MuseumsQuartier nebenanJunge Paare, Design-Hotels, Ausgehenca. 110–190 €
2. LeopoldstadtZwischen Donaukanal und Prater, Karmelitermarkt, im WandelKleines Budget, Familienca. 90–160 €
3. Landstraße / 4. WiedenBürgerlich, ruhig, Belvedere und Hauptbahnhof nahBahnreisende, Wiederholungsbesucherca. 100–170 €
6. MariahilfMariahilfer Straße, Naschmarkt, WestbahnhofShopping, Pensionen, gute Anbindungca. 100–170 €

Die Preise gelten als Orientierung für die Nebensaison; in der Adventzeit, um Silvester und zu großen Kongressen ziehen sie stadtweit an.

Anreise und Öffis: Flughafen, Bahnhöfe und Wiener Linien

Vom Flughafen in die Stadt

Der Flughafen Wien-Schwechat liegt 18 Kilometer südöstlich der Stadt. Die günstigste Verbindung ist die S7: alle halbe Stunde in etwa 25 Minuten nach Wien Mitte und weiter zum Praterstern, das Ticket kostet ca. 4,50 €. Der Railjet der ÖBB braucht zum selben Preis nur eine Viertelstunde zum Hauptbahnhof. Der City Airport Train (CAT) fährt nonstop in 16 Minuten nach Wien Mitte, kostet aber ca. 15 € pro Richtung.

Mit der Bahn: Hauptbahnhof und Westbahnhof

Der Wiener Hauptbahnhof ist der zentrale Knoten: Railjets der ÖBB kommen aus Salzburg in ca. 2 Stunden 20 Minuten, aus Linz in 1 Stunde 15 Minuten, aus Graz in ca. 2 Stunden 35 Minuten, aus Innsbruck in gut 4 Stunden und aus München in rund 4 Stunden. Die U1 bringt Sie in fünf Minuten zum Stephansplatz. Die private Westbahn bedient die Strecke Salzburg–Linz–Wien im Stundentakt, hält am Westbahnhof (U3, U6) und ist oft günstiger.

Unterwegs mit den Wiener Linien

Fünf U-Bahn-Linien (U1 bis U4 und U6, die U5 ist im Bau), 28 Straßenbahnlinien und über 100 Buslinien bilden das Netz. Eine Einzelfahrt kostet ca. 2,50 €, für Besucher interessanter sind die Zeitkarten: 24 Stunden ca. 8 €, 48 Stunden ca. 14 €, 72 Stunden ca. 17 €, jeweils ab Entwertung gültig. Die Vienna City Card kombiniert die Öffis für 24, 48 oder 72 Stunden (ca. 17–29 €) mit Ermäßigungen in Museen; sie rechnet sich nur, wenn Sie täglich mindestens zwei Partnerangebote nutzen. Inhaber eines Klimatickets fahren in Wien kostenlos. Papierfahrscheine müssen vor Fahrtantritt entwertet werden.

Alpengast-Tipp: Für drei Tage ist die 72-Stunden-Karte fast immer die richtige Wahl. Entwerten Sie sie erst bei der ersten Fahrt am Morgen des ersten Tages – nicht schon am Flughafen am Vorabend –, dann reicht sie bis zur Rückfahrt zum Bahnhof. Für die S7 zum Flughafen brauchen Sie zusätzlich nur das Ticket für die Außenzone (ca. 2 €).

Reisezeit, Klima und Budget

Adventzeit, Ballsaison, Sommer

Wien hat drei Hochsaisonen mit ganz unterschiedlichem Charakter. Die Adventzeit von Mitte November bis 26. Dezember verwandelt die Stadt in eine Kette von Christkindlmärkten; es ist die teuerste Zeit für Hotels. Von Jänner bis Faschingsdienstag folgt die Ballsaison mit über 400 Bällen bis hin zum Opernball; die Tage sind kalt (um 0 °C), die Museen leer, die Hotelpreise außerhalb der Ballwochenenden am niedrigsten. Der Sommer bringt 25 bis 32 °C, Badewetter an der Alten Donau und das Filmfestival am Rathausplatz – allerdings pausieren Staatsoper und viele Konzerthäuser im Juli und August. Die ausgewogenste Reisezeit sind Mai, Juni und September: mild, lang hell, mit Heurigenbetrieb und ohne die Preise der Adventwochen.

Was kostet Wien?

Als Orientierung pro Person und Tag ohne Anreise: Mit Hostel oder einfacher Pension, Würstelstand und 72-Stunden-Karte kommen Sie mit ca. 90–120 € aus. Ein Mittelklassehotel im siebten oder dritten Bezirk, zwei Museen pro Tag, ein Beisl am Abend und eine Melange zwischendurch ergeben ca. 170–250 €. Wer im ersten Bezirk wohnt und in die Oper geht, plant ab ca. 320 €. Dazu kommt die Ortstaxe von 3,2 Prozent auf den Zimmerpreis.

Fazit: Drei Tage Wien – und danach?

Drei Tage reichen für Dom, Hofburg und Ringstraße, für Schönbrunn und Klimt, für ein Viertel Gemischter Satz mit Blick auf die Stadt. Wer weiterreist, sitzt mit dem Railjet in zweieinhalb Stunden in Salzburg, dem klassischen zweiten Kapitel einer Österreich-Reise; ein Zwischenstopp in Linz teilt die Strecke. Die Alpengast-Redaktion hat Unterkünfte in allen fünf Bezirken dieser Tabelle zusammengestellt. Alle buchbaren Häuser in Wien und ganz Österreich finden Sie in unserer Hotelübersicht.